Oben donnern die S-Bahnen zu ihrem nächsten Stopp an der Station Bellevue, darunter ziehen die hohen Gewölbedecken die Besucherinnen und Besucher des Buchstabenmuseums immer tiefer in die geheimnisvollen S-Bahnbögen. Seit 15 Jahren sammelt das Museum Neonreklamen, Leuchtbuchstaben und Schriftzüge aus dem öffentlichen Raum, um diese typografischen Schätze und ihre Geschichten vor der Zerstörung und dem Vergessen zu bewahren.

In Berlin ist das Buchstabenmuseum fast noch ein Geheimtipp, aber international wurde so viel darüber berichtet, dass Gäste aus der ganzen Welt kommen, um sich die typografische Wunderkammer anzusehen. Die ganze, bunte Sammlung ist eine einzige Einladung zum Fotografieren, anders lässt sich die unweigerliche Begeisterung für die Farb- und Formenvielfalt der Exponate auch kaum bewältigen. Doch zum 15. Geburtstag erhält das Buchstabenmuseum mit einer überdimensionalen Wandgestaltung eine weitere Sehenswürdigkeit – das »BERLIN Mural«.

Dafür malen Chris Campe und Merle Michaelis das Wort »Berlin« über Boden, Wand und Decke. Jeder S-Bahnbogen hat eine Fläche von rund 150 qm, die Gewölbe sind über viereinhalb Meter hoch – die gemalten Buchstaben werden so groß sein, dass sie sich in ein abstraktes schwarz-weißes Streifenmuster auflösen und erst auf den zweiten Blick als Schrift zu erkennen sind.


Zu den Typo-Künstlerinnen

Chris Campe ist Designerin und Autorin in Hamburg. Mit ihrem Büro »All Things Letters« ist sie auf Schrift spezialisiert und gestaltet alles mit Buchstaben: Bücher, Cover, Logos, Illustrationen, Räume und Wände.
Chris hat Buchhändlerin gelernt und Kommunika­tionsdesign und Kulturwissenschaften studiert. Sie hat zwei Bücher über Hamburg veröffentlicht und drei über Schriftgestaltung. Außerdem ist sie eine der Initiatorinnen des »Berlin Letters Festivals« und gibt ihr Wissen in Workshops, Vorträgen und den sozialen Medien weiter.

www.allthingsletters.com
@allthingsletters
chris@allthingsletters.com

Merle Michaelis ist Künstlerin und Typografin in Kiel. Sie hat an der Muthesius Kunsthochschule Kommunikationsdesign mit den Schwerpunkten Typografie und Buchgestaltung studiert und sich anschließend auf Lettering und Kalligrafie spezialisiert. In ihrer künstlerischen Arbeit untersucht sie die Parallelen zwischen Kalligrafie und Kampfkunst. Dazu schreibt sie großformatig mit Besen, breiten Pinseln und der Bewegung ihres ganzen Körpers. Merle Michaelis unterrichtet Hochschulkurse und Workshops.

www.merlemichaelis.de
@merlemichaelis
mail@merlemichaelis.de